Speisemorcheln 2004

Speisemorchelsuche auf dem steilsten St├╝ck Eschenwald das ich kenne:Zur Zeit herrscht das sch├Ânste Wetter das  ich kenne, feuchte Luft bis hin zum Regnen, wenig Wind, Wolken,  Gewitter, sch├Ân k├╝hl, aber nicht kalt, einfach pilzig! In dieser  Jahreszeit, das beste was einer Pilzverr├╝ckten wie mir passieren kann.  Dr├╝ckt doch diese Wetterlage  noch immer Mengen an Morcheln aus  dem Boden. Schon zum zweiten Male in diesem Jahr begehe ich dieses  Steilst├╝ck. Hier wachsen haupts├Ąchlich Speisemorcheln, was die  Spitzmorcheln nicht abh├Ąlt, zwar in geringer Zahl aber immerhin, hier  auch zu sprie├čen.  Fast hundert H├Âhenmeter muss ich nach oben,  davon fahre ich allerdings die ersten 20 mit dem Auto in den Berg. Dann muss ich einen 3-fachen Stacheldraht ├╝berwinden, unter einem  Elektrozaun durch und abermals 3-fachen Stacheldraht bew├Ąltigen. 

Jenseits dieser Schranken begr├╝├čt mich diese Superspitzmorchel. Vor f├╝nf Tagen habe ich  sie noch nicht gesehen, ich schaue mich sehr genau um, sie scheint die  einzige zu sein. Doch meine Suche gilt den Speisemorcheln, sofort fallen mir alle m├Âglichen struktur├Ąhnliche Dinge ins Auge, filzig und holzig  sind sie, diese Entdeckungen verraten mir, dass mein Pilzblick heute sehr gut ist, das ist nicht immer so. Machmal f├╝hlt man sich richtig  blind, wenn es hei├čt Morcheln zu entdecken. Allerdings wei├č ich, dass ich erst weiter den Berg rauf muss um morcheltr├Ąchtigen Boden unter den  F├╝├čen zu haben, also nauf gehts. Das ist heute nicht so einfach der  Boden unter der Laubstreu ist feucht und schmierig. Zwei Schritte nach oben und einen zur├╝ck so  erklimme ich das Gel├Ąnde. Da blinkt schon die erste Morchel, wohlbeh├╝tet steht sie da, doch solche Tarnung ist zu sp├Ąrlich um mich  zu t├Ąuschen. Die beiden n├Ąchsten Exemplare haben sich schon besser bedeckt, sie finden trotzdem den Weg in meinen Korb.

Also geht das Versteckspiel wieder los. Stehen bleiben und gucken muss ich. Als  k├Ânnten die Pilze Gedanken lesen, kaum stelle ich mich auf niedrigste  Gangart ein, foppen sie mich auf die andere Tour. Ich hebe den Kopf und  siehe da, ganz frei stehen sie auf dem schmalen Pfad in Augenh├Âhe! So  erklimme ich den Berg immer h├Âher. Ich schwenke nach links hinter den kleinen Fichtenbestand, doch  dort gibt es noch nicht eine Morchel, sollten sie dort am Ende noch  kommen? Mein Korb enth├Ąlt schon etwa 20 Morcheln, da passiert der  unvorsichtige Schritt. Ich rutsche mit dem Bergfu├č ab und lande auf der rechten H├╝fte, dann geht es bergab, die linke Hand umkrampft den  Pilzkorb, meine G├╝te wenn ich den Inhalt ├╝ber den Berg verstreuen  w├╝rde! Ein quer liegender Ast bringt meine Rutschpartie zum Stoppen.  Nur gut, dass ich den hohen Korb genommen habe, der vertr├Ągt schon mal  einen Rums, ohne dass meine Freunde ├╝ber seinen Rand h├╝pfen. Nun jagen  mich die Pilze ganz sch├Ân von oben nach unten. Bin ich oben im Berg  blinken sie von unten, bin ich weiter unten winken sie von oben und laufe ich mal drei Meter ohne ganz genau hinzusehen, lachen  sie sich hinter mir ins F├Ąustchen und ich muss zur├╝cklaufen um sie einzusacken...! Auf ebenem Boden sind solche Spielchen ganz lustig, aber  hier im Hang braucht man f├╝r jeden Schritt einen Baum zum  festhalten und Morcheln die sich auf einem freien Platz befinden muss  ich schnell ernten, w├Ąhrend ich dabei schon wieder am abrutschen bin.

Vor lauter schauen und gucken bekomme ich dann noch die Halluzination  ein Meer von Morcheln vor mir zu sehen, das braun, grau und beige formt  sich zu Morchelmassen. Doch bald ist der Blick wieder klar und ich nehme die zwei Morcheln, die wirklich da stehen. Eine ganze  Weile sehe ich nix morcheliges mehr. Das war es dann. Irgendwo da unten steht  das Auto. Ich begebe mich zum Abstieg. Den kleinen Platz mit den   Spitzmorcheln begutachte ich noch genauer. Siehe da ! Da steht ja noch  eine Spitzmorchel. Offenbar hatte ich meine Augen schon zu gut auf die  "gelben" eingestellt, dass die "braunen" durch den Farbfilter gefallen sind. Insgesamt sind es noch 5 St├╝ck, sie sind  bedeutend kleiner, als die Begr├╝├čungsmorchel. Daran mag es gelegen haben, ich dachte, wenn da noch welche sind, m├╝ssten sie auch solche  Oschis sein. 

Nach allen Zaun├╝berwindungen bin ich gl├╝cklich wieder am Auto zu  sein. Die Morchelbeute 37 Speisemorcheln und 6 Spitzmorcheln bringe ich meiner Nichte, die heute leider nicht auf die Steilwand mitgehen konnte.

Auf dem Heimweg zieht dieses Mulchgebirge  mein Interesse auf sich. Vom Auto aus erkenne ich zwar keine dunklen Knubbels, die auf Spitzmorcheln schlie├čen k├Ânnten, aber anschauen muss  ich es mir trotzdem. 

Das habe ich noch nie gesehen Lorcheln auf Rindenmulch. Toll schauen  sie aus mit ihrem knalligen rot auf dem aschgrau. Diese Farbkombination sollte ich mir merken! Einige der Pilze nehme ich mit, um anderen Leuten  diese Giftpilze erkl├Ąren zu k├Ânnen und Anschauen ist doch der beste Lehrer.   

 

Das war ein sch├Âner Pilzspaziergang , so richtig nach meinem  Geschmack, morgen bin ich wieder unterwegs, ganz sicher!